Gesichter
hinter der Mode

Die Modewelt schmückt sich mit Glanz und Glamour, unterschlägt aber die unzähligen Geschichten der Menschen, die in der Textilindustrie oder angeschlossenen Sektoren arbeiten. Sechs Kambodschaner*innen erzählen hier ihre Geschichten von schwierigen Arbeitsbedingungen, Kämpfen und Widerständen.

Porträt von Chheng Danou: „Also habe ich die Gewerkschaft in meiner Fabrik mitgegründet, um durch das Gesetz geschützt zu sein.“

Chheng Danou studiert im vierten Semester Jura und Wirtschaft.

Bis 2016 hat sie in einer Textilfabrik gearbeitet und sich dort als Gewerkschaftsführerin im Gewerkschaftsdachverband engagiert. Chheng Danou bekam immer wieder mit, wie Fabrikarbeiterinnen zur Verantwortung gezogen wurden, wenn Sollvorgaben nicht erfüllt wurden. Die Frauen erhielten auch keine Erlaubnis, sich um ihre kranken Kinder zu kümmern oder ihnen wurde plötzlich gekündigt. „Also habe ich die Gewerkschaft in meiner Fabrik mitgegründet, um durch das Gesetz geschützt zu sein.“ Doch ihr gewerkschaftliches Engagement stieß auf Widerstand. Chheng Danou wurde seitens der Fabrikinhaber*innen Geld angeboten, um verschiedene Aktivitäten zu stoppen oder die Gewerkschaft zu verlassen. Heute studiert Chheng Danou. Sie möchte nach ihrem Abschluss im Frauenministerium arbeiten und von dort aus für die Verbesserung der Situation von Frauen in der Modeindustrie kämpfen.

Als unsere Gewerkschaft die Käufer*innen für die schlechten Bedingungen in ihren Fabriken angeklagt hat, haben sie nicht nach Lösungen gesucht – stattdessen haben sie ihre Bestellungen zurückgezogen.

Gewerkschaftliche Organisation in Kambodscha

Artikel 36 der kambodschanischen Verfassung erlaubt es, unabhängige Gewerkschaften zu gründen - auf dem Papier. Die Realität sich jedoch anders aus. Auf eine gewerkschaftliche Organisation ihrer Arbeiter*innen reagieren Fabrikinhaber*innen häufig mit Diskriminierung, Belästigung oder Kündigung. Die Regierung auf staatlicher Seite schlägt Protest oft gewaltsam nieder. Die Vereinigungsfreiheit in Kambodscha ist somit hinsichtlich der Möglichkeiten zur Organisierung, des Rechts auf Streik und der Durchführung von Tarifverhandlungen massiv eingeschränkt.

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